Wenn der Kontostand trügt: Die Gefahr der isolierten Liquiditätsbetrachtung
Du blickst auf dein Bankkonto und siehst eine stolze Summe: 1,5 Millionen Euro. Alles sieht nach Erfolg aus, die Kasse ist voll. Du entscheidest dich, 500.000 Euro an deine Holding auszuschütten, um neue Investments zu tätigen. Doch Monate später folgt der Schock beim Jahresabschluss: Deine Steuerberaterin teilt dir mit, dass dein Unternehmen überschuldet ist. Du bist plötzlich insolvenzantragspflichtig.
Wie kann das sein? In diesem Artikel erfährst du anhand einer echten „Horror-Story“ aus unserer Praxis, warum die isolierte Steuerung über die Liquidität brandgefährlich ist und warum du zwingend die Bilanz und die GuV im Blick behalten musst.
Die Falle: Wenn das Konto lügt
Einer unserer Kunden steuerte sein Unternehmen vor der Zusammenarbeit mit uns ausschließlich über ein professionelles Liquiditätstool. Das Tool war direkt an seine Konten angedockt – eigentlich ein Standard-Vorgehen. Das Problem: Das Tool zeigte zwar an, wie viel Geld da ist, aber nicht, wem dieses Geld eigentlich gehört.
In seinem Fall arbeitete das Unternehmen stark mit Vorkasse. Kunden zahlten große Summen an, bevor die Leistung erbracht wurde. Auf dem Konto sah das fantastisch aus. In der betriebswirtschaftlichen Realität sah es jedoch anders aus.
Das Missverständnis: Erhaltene Anzahlungen sind kein Gewinn
Hier liegt der entscheidende Denkfehler, der viele wachstumsstarke KMU und Agenturen in den Ruin treiben kann:
- Liquidität: Das Geld geht auf dem Konto ein. Du fühlst dich liquide.
- Bilanz/GuV: Das Geld ist rechtlich gesehen noch kein Umsatz. Es handelt sich um erhaltene Anzahlungen.
Solange du die Leistung nicht erbracht hast, schuldest du dem Kunden entweder die Arbeit oder das Geld zurück. In der Bilanz ist dieses Geld also eher wie ein zinsloses Darlehen zu betrachten. Es ist (noch) kein Gewinn.
Die Rechnung, die fast zum Ruin führte
Unser Kunde hatte 1,5 Mio. Euro auf dem Konto, aber im fraglichen Zeitraum nur einen tatsächlichen Gewinn von 300.000 Euro erwirtschaftet. Durch die Ausschüttung von 500.000 Euro hat er mehr Geld entnommen, als das Unternehmen operativ verdient hatte.
Die Folge: Das Eigenkapital rutschte ins Minus. Das Unternehmen war technisch überschuldet.
Die 3 Ebenen der Finanzen: Nur gemeinsam bist du sicher
Dieser Fall zeigt deutlich: Wer nur auf die Liquidität achtet, fliegt blind. Um ein Unternehmen sicher zu skalieren, musst du alle drei Ebenen synchronisieren:
- Liquiditätsplanung: Sichert deine Zahlungsfähigkeit im Alltag.
- Gewinn- und Verlustrechnung (GuV): Zeigt dir, ob du operativ profitabel arbeitest.
- Bilanz: Zeigt dir die wahre Substanz und die Vermögenslage deines Unternehmens.
Warum isolierte Tools oft nicht ausreichen
Tools, die sich nur an Kontodaten andocken, sind für die kurzfristige Cash-Übersicht super. Sie ignorieren aber die Abgrenzungen der Buchhaltung. Nur wenn du verstehst, wie sich Anzahlungen, Rückstellungen und Verbindlichkeiten auf dein Eigenkapital auswirken, kannst du sicher entscheiden, ob eine Ausschüttung oder ein Investment wirklich möglich ist.
Fazit: Schütze dein Unternehmen vor der Überschuldung
In der oben beschriebenen Situation konnten wir gemeinsam mit dem Steuerbüro im letzten Moment die richtigen Maßnahmen einleiten, um die Insolvenzantragspflicht abzuwenden. Es war eine haarscharfe Angelegenheit, die durch ein ganzheitliches Controlling von Anfang an vermieden worden wäre.
Verlasse dich nicht allein auf deinen Kontostand. Wahre finanzielle Freiheit und Sicherheit entstehen erst, wenn du die Zusammenhänge zwischen deinem Cashflow und deiner Bilanz verstehst.
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